„Der Saal ist voll, die Stimmung kocht. Heute Abend feiern wir mit dem größten Schlagerduo aller Zeiten. Hier sind für euch: Tima und Klaus“, tönt es – begleitet von einer lebhaften Melodie – durch den Saal. Die auf dem geschlossenen Gazevorhang tanzenden Lichtpunkte werden durch einen Scheinwerferkegel verdrängt, der die Schatten zweier Gestalten auf dem Vorhang abzeichnet. Das Publikum klatscht begeistert. Die Figuren hinter dem Vorhang tanzen zu Helene Fischers „Herzbeben“.
Dann öffnet sich der Vorhang für Franziska Sarah Layritz’ „Schlagerträume“ in der Spielstätte U17 des Mainzer Staatstheaters. Dahinter kommen Tima (Tima Zucker) und Klaus (Klaus Köhler) zum Vorschein. Nachdem sie einander dem Publikum vorgestellt haben, folgt bereits der erste Outfitwechsel (Kostüm von Antonia Hilchenbach). Timas glitzerndes Kleid und Klaus’ blaues Hemd mit Halstuch bringen ebenso wie Timas Schminkroutine auf offener Bühne eine Facette des Schlagers zum Ausdruck: Glitzer, Show und Lebensfreude.

Ganz im Sinne des Showaspekts performen Klaus und Tima hingebungsvoll Marianne Rosenbergs „Ich bin wie du“ und agieren dabei mit dem Publikum in der ersten Reihe, das je zu zweit an runden Tischen sitzt.
Das Publikum erhält im Laufe der rund 60-minütigen Show auch ganz intime Einblicke in die Schlagerhistorie der beiden Schauspielenden. In elegant gewählter, bildhafter Sprache beschreibt Tima Schlager als „das Blau des Himmels“ und „das Wasser des Lebens“. Sie zeigt den Zuschauenden so die Bedeutung des Schlagers für ihr Leben auf äußerst nahbare Weise. Text und Bühnenbild (von Franziska Sarah Layritz und Bertil Brakemeier) nehmen ebenfalls Bezug zueinander, wenn Tima sagt: „Fröhlichkeit ist, wenn man auf einer Wolke schwebt. Wenn ich Schlager höre, tanzt mein Herz“. Die Wolke wird dabei im Bühnenbild aufgegriffen, indem ein Teppich in Wolkenform einen großen Teil der Bühne einnimmt. Darauf stehen ein Sofa und eine goldene Pflanze. Auf der anderen Seite der Bühne hängt eine Wolke von der Decke, auf der immer wieder kurze Videos der Schlagerexpertin Lilly Lorenz mit Fakten über Schlager gezeigt werden. Lilly Lorenz liefert damit den kulturhistorischen Unterbau zur Feelgood-Schlagershow. Zusammen mit einer kleinen Garderobe und einem Klavier rundet das Bühnenbild den Gesamteindruck des Fernsehstudios einer Schlagershow ab.
Klaus schwelgt in Erinnerungen an seine Kindheit, in der er die Hitparade vorm Fernseher verfolgt hat, und schwärmt dabei vor allem von den Geschichten, die in Schlagern erzählt werden. Außerdem kommt er zum Entschluss: Um Schlagersänger zu werden, müsse man eigentlich Jürgen heißen, wobei er auf die unzähligen Schlagersänger*innen anspielt, die Jürgen(s) (Udo Jürgens, Andrea Jürgens, Jürgen Drews …) mit Vor- oder Nachnamen heißen. Der Kreis schließt sich perfekt, als Klaus im späteren Verlauf des Stückes selbst als Udo-Jürgens-Imitator auf der Bühne steht.
Tima und Klaus zeigen auf lustige, aber zugleich ernsthafte Weise: Schlager kann alles sein. Und „Im Schlager kannst du alles sein, sogar ein Phänomen“, wie es auf dem T-Shirt des Musikers Axel Heintzenberg heißt, der den Abend am Klavier begleitet. Schlager hat unendlich viele Facetten und für jede Generation, für jeden Menschen seine ganz eigene Bedeutung. Er kann Freundschaften schaffen, denn Fansein verbindet. Als großer Helene-Fischer-Fan vermittelt Tima überzeugend ihre Begeisterung für die Künstlerin und den Schlager selbst, tanzt zu „Atemlos“ und steckt mit ihrer Euphorie an.

Ob bei einer Runde Schiller oder Schlager, bei der das Publikum Zitate richtig zuordnen muss, beim Autogrammegeben oder einfach zwischendurch: Die beiden Künstler*innen der ersten inklusiven Eigenproduktion des Staatstheater Mainz agieren liebevoll miteinander und nahbar mit dem Publikum. Zum Schluss laden sie die Zuschauer*innen – eben wie bei einer richtigen Schlagerparty – zum Tanzen auf die Bühne ein.
„Schlagerträume“ als Ode an die Musik ist nicht nur etwas für eingefleischte Schlagerfans. Klaus Köhler und Tima Zucker stecken mit ihrer Leidenschaft regelrecht an und feiern dabei, gemeinsam mit dem Publikum, den Schlager, die Vielfalt und das Leben an sich.