Unsere Festivalmomente

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Leider aus: Das Grenzenlos Kultur Festival 2015. Aber im nächsten Jahr geht’s weiter… © Holger Rudolph

Was uns in den zehn Tagen Grenzenlos Kultur bewegt und beeindruckt hat

Kantinenfuror
Nach fast jeder Vorstellung ziehen sich alle Bloggerinnen in die Kantine des Staatstheaters Mainz zurück. Man holt sich ein Bier, einen Wein oder auch ein Schörlchen und setzt sich zusammen. Lässt das Gesehene erst einmal sacken. Dann beginnen die Diskussionen. Wie war’s? Was ist uns aufgefallen? Was nehmen wir mit? Oder manchmal auch: Was war das überhaupt? Dazwischen meistens eine verzweifelte Bloggerin, die versucht alles in sich aufzunehmen, um ihre Kritik noch besser werden zu lassen. Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Meinungen bei der einen Inszenierung und wie ähnlich sie dagegen bei einer anderen Inszenierung sein können. Doch gerade diese Unterschiede zwischen den Meinungen machen die Diskussion erst so richtig spannend. Von diesen Momenten nehme ich das meiste mit, sie waren am lustigsten, spannendsten und aufschlussreichsten.
Franziska Würth

Austausch
Am Eröffnungsabend kommt eine rasende junge Reporterin auf mich zu und fragt: “Du schreibst doch so einen Kulturblog, oder?”. Ich bin erst perplex und erzähle ihr dann von unserem Festivalblog. Sie erklärt, dass sie eine Kulturseite für die Koblenzer Uni zusammenstellen will und ganz begeistert vom Mainzer Kulturprogramm sei. Wir tauschen Mail-Adressen aus.
Charlotte Selker

Wenn der Name Programm wird
Nach zehn Tagen intensiver Theatermarathon leere ich am Sonntag meine Tasche aus um das Chaos darin zu beseitigen – und nicht nur den Tascheninhalt zu sortieren. Als mit die etlichen Schmierzettel, Programmhefte und Eintrittskarten entgegenfliegen, versuche ich das Erlebte noch einmal zu resümieren. Dabei fallen mir die wohl besten Momente des Festivals ein, als ich das Flugblatt von „4:3“ in der Hand halte: all jene nämlich, in denen der Festival-Name auch wirklich Programm war. Die es geschafft haben, die Grenzen zwischen mit und ohne Behinderung, zwischen Theater und Alltag zu verwischen oder sogar aufzulösen.
Isabel Eberhardt

Herr der Ringe
Beim Interview mit Nikolai Gralak vom Theater Hora: In „Disabled Theater“ tanzte der Schauspieler sein Solo zum Lied „Über die Nebelberge weit“ aus dem Film „Der Hobbit“. Ein Blick auf seine Hände genügt, um zu sehen, dass er ein großer Fan von Tolkiens Mittelerde ist: An fast jedem Finger trägt er einen Ring der Fantasy-Saga. „Dies ist Gandalfs Ring, der Ring des Feuers, auch Naria genannt“, erklärt er stolz. Zu jedem Ring kennt er die passende Passage in der Saga. Eindeutig ein Moment, den man nicht so schnell vergisst.
Lea Pfeifer

Auf der Mauer
Ich klettere auf eine kleine Mauer vor dem kleinen Haus und genieße die Sonne, während ich auf das Seminartreffen warte. Wenig später gesellt sich Johannes Geißer zu mir und erzählt von der Premierenparty, zu der er trotz der schweißtreibenden Performance in “Fall Out Girl” noch Energie hatte. Er interessiert sich für unseren Blog und nimmt sich fest vor, ihn mal durchzuschauen. Als ich aufbreche, sagen wir noch “Bis später”, doch an diesem Tag ist meine Müdigkeit größer als die Partylust.
Charlotte Selker

Keine zwei Minuten
Die theaterpädagogische Fachtagung war für mich der stimmungsvollste Tag des Festivals. Durch die große Anzahl an Menschen, die durchgehend im und um das Staatstheater waren, entstand zum ersten Mal ein wirklicher Austausch über Theater zwischen den unterschiedlichsten Menschen des Theaters. Egal wer, ob Veranstalter oder Besucher, egal wo, ob im Foyer, während des Workshops, oder in Kantine, egal über was – keine zwei Minuten dauerte es, bis man wieder mit jemand Neuem im Gespräch war.
Barbara Luchner

Rotziges Schreiben
Spaß hatte ich vor allem zum Ende hin – als man dann doch einen gewissen Drive hatte, wenn es darum ging, kritisch in die Tasten zu hauen. „Rotziges Schreiben“ nannte es Georg. Habe ich mich anfänglich im allgemeinen Hausarbeits-Wahn damit noch recht schwer getan, fiel es mir nach einigen Tagen deutlich leichter. Und trotz einiger unschönen Momente – waren es gerade die Nächte, die man sich um die Ohren schlagen musste –, war es durch und durch eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Denn ist es de facto immer wieder eine spannende Kiste, neue Menschen, vor allem neue Blickwinkel und letztlich sich selbst ein Stück weit aufs Neue kennen zu lernen.
Claire Zimmermann

Georg Kasch

Georg Kasch, Jahrgang 1979, ist Redakteur bei nachtkritik.de, schreibt für Tages- und Wochenzeitungen und bastelt Sendungen für den Rundfunk. Außerdem unterrichtet er an der Freien Universität Berlin und an der Bayerischen Theaterakademie in München. www.georgkasch.de