Komm auf das Schloss mit mir

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Mirco Kuball in seinem Schloss © Filmstill

Der Film “Das große Glück” zeigt Schauspieler Mirco Kuball als Mirco Kuball – und fiktionalisiert das Genre der biografischen Doku

Zwei Szenen prägen den Beginn: Die eine zeigt Mirco Kuball, der uns durch den „Hintereingang der Schauspieler“ des Hamburger St.-Pauli-Theaters lotst – über einige Umwege durch den Backstage-Irrgarten zu seiner „Lieblingskollegin“, der Theater- und Filmlegende Eva Matthes. Nach der Einblendung des Filmtitels „Das große Glück“ finden wir uns auf einem Friedhof wieder. Kuball zeigt das Familiengrab, in dem sein Vater, angeblich auch seine Mutter und sein Bruder liegen. Das Makabere daran: Auch ein Bronze-Guss seiner selbst ziert den Grabstein. Zwei Pole, die den Film prägen: der Ruhm, der Glanz der Welt – und die Einsamkeit, der Tod.

“Geld ist toll! Geld ist Macht!”

In “Das große Glück”, ein fiktives, biographisch-angehauchtes Filmporträt von Kirsten Burger, Mikko Gaestel und Johannes Müller, nimmt uns Kuball mit auf sein Anwesen. Zeigt sein Schloss, die Scheune, die Wiese, den Rasenmäher und das Straßenschild, auf dem „Downie Street“ geschrieben steht – die Kuballs haben offensichtlich Humor. Wie ein Tag bei Kuball so aussieht, zeigt er ebenfalls: Wir begleiten ihn zum Shoppen, zur Massage, zum Zahnarzt, zum Augenarzt und natürlich auch ins Theater. Denn Kuball ist Schauspieler, mit Sedcard und Homepage – bei Meine Damen und Herren, am Theater RambaZamba, in Fernsehproduktionen. Mit “Am liebsten zu dritt” war er im vergangenen Jahr bei Grenzenlos Kultur dabei – und dominierte derart die Szene, dass der Blog ihm ein Porträt widmete. Wobei er da sicher nicht so nuschelte wie im Film, wo seine Worte oft schwer zu verstehen sind.

Das „Biofiktionale“ schleicht sich schon in den ersten Minuten ein. Denn Mutter Christa Maria Kuball ist freilich nicht tot, wie es der Film behauptet. Und Kuballs schlossartige Villa sonst bestimmt nicht so menschenleer. So entstehen große, weite Bilder – und brüllend komische Szenen, etwa wenn Kuball genüsslich am Frühstückstisch schnabuliert und fabuliert. Inbrünstig deklamiert er: „Geld ist toll. Geld ist die Macht.“

Auf dem Weg ins Schauspiel-Walhalla

Im weißen Rollkragenpulli und schwarzem Jackett philosophiert er über Geld, Ehrgeiz, das Künstler-Dasein, Musik und schließlich über den Tod, als sei er auf dem Weg in die Walhalla der Schauspielkünste. Vorzüglichst – immer ein Gläschen Prosecco zur Hand. Diese Szenen strotzen nur so vor gekünsteltem „In-Szene-Setzen“. Durchaus positiv: Es macht Spaß, ihm dabei zuzuschauen, wie er seine Hand überspitzt vor sich her fuchtelt und ein weises Mienenspiel über seine Gesichtszüge gleisen lässt.

Doch dann gibt es Momente, in denen die Komödie einen tragischen Ton bekommt. „Ich darf mich nicht in einen ‚Normalen‘ verlieben“, murmelt er einmal, als er in einem Bildband mit Liebespaaren blättert – da stockt einem der Atem. Kuball spricht von seinen ersten Erfahrungen mit Männern, in die er sich verliebt hat. Hier wirkt er ganz bei sich. Oder ist auch das nur gespielt?

„Mit Mirco Kuball als Mirco Kuball“ heißt es im Abspann. So pochen jene Momente auf das »mit« statt auf das »als«. Auch in einer weiteren Szene hat man dieses Gefühl: Kuball steht vor dem Gemälde eines jungen, blonden Mädchens, die mit einem Brief in der Hand auf einem Stuhl sitzt. Zu ihrer Rechten ein Langhaarcollie. Kuballs Bildbeschreibung geht allmählich in eine Interpretation über. Es handele sich um den Abschiedsbrief ihres Geliebten, erklärt er. Oft stelle er sich vor, er sei an ihrer Stelle. „Liebling, komm zu mir – Wunschdenken. Mehr ist das nicht“, sagt er. Das berührt, gerade weil das “Große Glück” des Filmtitels da ziemlich weit weg ist.