Vom Wasser in die Köpfe

Sue Austin taucht auf © Marie Tollkühn
Sue Austin taucht auf © Marie Tollkühn

Mit ihrer Performance am Freitag Abend schwimmt sich Sue Austin in die Köpfe der Zuschauer. Eine Hommage an das Leben und seine Möglichkeiten – vom Beckenrand aus gesehen

Sphärische Musik im Mombacher Hallenbad. Blaue Lichtflecken tanzen über unsere Gesichter. In warmes Scheinwerferlicht getaucht, wird die Künstlerin hereingetragen. Den Rollstuhl wie eine Sänfte unter sich. Ihr Lächeln füllt den ganzen Raum. Ich fühle mich unendlich geborgen, lasse mich verschlucken, von der mystischen Atmosphäre tragen.

Die Beckenrandperspektive: Sue Austin unter Wasser © Marie Tollkühn
Die Beckenrandperspektive: Sue Austin unter Wasser © Marie Tollkühn

Sue breitet die Arme aus. Ein Vogel, der zum Flug in die Freiheit ansetzt. Sie fällt uns Wasser und ich tauche in Gedanken mit ab. Vergessen sind die Hitze im Schwimmbad Mombach und die quatschenden Typen hinter mir.

Schwebend zieht Austin ihre Bahnen, das Wasser dirigiert ihre Richtung. Sie zieht Kreise, taucht auf und verschwindet wieder in den Tiefen des Beckens. Grazil führt sie ihre Arme durchs Wasser, tanzt ihr eigenes Ballett – was man vom Beckenrand aus auf den Bildern der Unterwasserkamera besser erkennen kann als beim Blick auf die Wasseroberfläche.

Dort sehe ich keine Frau im Rollstuhl, ich sehe eine Künstlerin, die gleich einer Meerjungfrau durchs Wasser schwebt. Anmutig, bezaubernd und frei.

 

 

Einen Bericht von der Unterwasserperspektive auf die Show lesen Sie hier.

 

 

 

Jannika Kämmerling

Jannika Kämmerling (22) studiert Theaterwissenschaft und Publizistik in Mainz. Bei einer freien Mitarbeit für die Allgemeine Zeitung und einem Zeitungspraktikum hat sie ihre Liebe zum Schreiben entdeckt. Außerdem wird das Festival die Grundlage ihrer Bachelorarbeit bilden - also nicht erschrecken, wenn Sie einmal genauer beobachtet werden!